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Über ANiMA

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Weshalb dieser Film entstehen musste

Es ist nicht einfach zu sagen, woher genau die Idee und das Thema für diesen Film stammen.
Im Nachhinein habe ich gemerkt, dass die Geschichte, genauso wie die Charaktere und die Welt in der sie leben, innerhalb vieler Jahre geformt wurde und es eine Menge verschiedener Faktoren und Begegnungen gab, welche diese Arbeit inspiriert und beeinflusst haben.
Erst nach dem Beenden des Films ist mir bewusst geworden, wie viele meiner künstlerischen Arbeiten als Skizzen für dieses Werk gesehen werden können!

Als Grundlage für die Erschaffung von „ANiMA” steht zweifellos meine Faszination für Märchen und Mythen aller Art.
Seit meiner Kindheit sammele und illustriere ich Märchen und fabelhafte Geschichten aus der ganzen Welt.
Fantastische Realitäten und zauberhafte Kreaturen faszinieren mich seit ich denken kann und so war es für mich immer klar, dass ich einers Tages Märchenbuchillustratorin werde.
Es fielen mir auch einige Geschichten ein, welche ich niederschrieb.
Nun ist deutlich geworden, dass „ANiMA” ihre Handlung all den märchenhaften Geschichten verdankt, welche jemals vom mir erdacht wurden. Die Begeisterung für mythologische Tiere und Mischwesen lässt sich durchgehend in meiner Malerei wieder finden.
Alles war wie eine Art Vorbereitung für dieses große Resultat.



Die menschliche Geschichte und Kunst ist überfüllt von Mischwesen, der verschiedensten Arten.
Dabei symbolisiert die Vermischung von Tier und Mensch in nahezu allen Zeiten und Mythologien den Besitz übermenschlicher Eigenschaften; göttlicher oder im Gegenteil dämonischen Herkunft.
Faszinierend und spannend finde ich alle Arten von human-animalischen Konstellationen und den daraus resultierenden Charakter.
- Wie viel Mensch und wie viel Rind sind im Minotaurus?
Auf welche Weise wild und auf welche Weise vernünftig ist der Kentaur? Was für ein Wesen haben Naturgeister und wie stehen sie Menschen gegenüber? Wie verlockend und mörderisch ist die Harpyie und wieso werden ihre Vogelmenschartigen Verwandten als ägyptische Götter (Re, Toth) verehrt und gleichzeitig als Monster der griechischen Antike gefürchtet (Sirenen von Odysseus)?
Warum sind Wasserfrauen und Nixen so verführerisch für menschliche Männer und warum endet so gut wie jede Verbindung von Mensch und Naturgeist mit einer Tragödie, meistens mit dem Tod des Menschen (Fouques „Undine” , „Melosine”, Andersens „Kleine Meerjungfrau”, „Rihannon”)
In vielen Märchen und Mythen gilt es als Segen und erwünschenswerte Fähigkeit, die Sprache der Tiere und der Natur zu verstehen (Orpheus, verschiedenste Märchen, Lewis' „Narnia”).
Gleichzeitig gilt es als Fluch und Strafe in ein Tier oder Naturelement verwandelt zu werden. In Ovids „Metamorphosen” wird Daphne in einen Lorbeerbaum verwandelt, um sich vor Apollo zu verbergen.
Der griechische Waldgott Pan, halb Mensch, halb Ziegenbock; schnitzt sich eine Flöte aus der Nymphe, die sich, auf der Flucht vor ihm in ein Schilfrohr verwandelt.
Im Märchen der verschiedensten Kulturen werden Menschen aus Bosheit oder als Strafe zu Tieren, Vögeln und Bäumen verhext. Zahlreiche „böse Stiefmütter” verhexen ihre Stiefkinder in Raben, Schwäne, Ziegen, Rehe und Frösche. Die Verwandlung eines Menschen in ein Tier oder Naturelement ist also seit jeher mit Magie und Zauberei verbunden.
Die Verwandlung eines Lebewesens in Stein trifft man bereits im alten Testament. Dort schaut sich Lots Frau auf der Flucht aus ihrer,
dem Untergang geweihten Stadt um, und wird zu einer Salzsäule.
Die Versteinerung eines lebenden Organismus' trifft man innerhalb unzähliger Mythen als die höchste aller Strafen und Verhexungen. Diese Verwandlung trägt einen hohen symbolischen Wert, da sie nicht nur als die äußerliche Veränderung eines Lebewesens, sondern auch als die innere Veränderung (Erkaltung gegenüber seinen Mitmenschen / Grausamkeit) gedeutet werden kann.
Meistens ist der Mensch den Naturgewalten unterwürfig. Es sucht entweder nach einer Sprache, in der er mit der Naturwelt kommunizieren kann, um sich in scheinbar unlösbaren Situationen einen Rat zu erbitten. Oder er fürchtet sich vor ihr, als vor einer riesigen, eigenwilligen Macht.
Dabei stehen Tiere, im Gegensatz zu den Menschen so gut wie immer als Teil und Sprecher der Großen Naturgewalt dar.
Sie repräsentieren die reine, ursprüngliche, alles durchdringende, für den menschlichen Verstand ungreifbare und mystisch wirkende Macht der Naturgewalten.

Nicht selten trifft der Held eines Märchens ein sprechendes Tier: einen Hirschen, Löwen, Raben, der allwissend zu sein scheint und einen guten Rat geben kann. Damit ist das Märchentier dem Menschen
in seinem Wissen vom Grund und Folge einer Situation weit überlegen. Dennoch will nur selten ein Märchenheld in ein Tier verwandelt werden. - Es ist ein spannendes Paradox!
- Der Mensch bewundert das Tier um seine Verbundenheit zu der Großen Naturgewalt, die er schon verloren zu haben scheint, und dennoch fürchtet er sich davor seine Menschlichkeit durch das Animalische zu ersetzen.
Dieser Gegenspruch macht die Gestalt und symbolischen Wert eines Märchentieres für mich noch aufregender.


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